Wie alles begann

Wie kam ich zur Frauenheilkunde und Geburtshilfe und wie kam ich auf das Geburtshaus? Die Psychodynamik meiner Entscheidung möchte ich für’s erste aussparen. Vielleicht kommt noch die Lust, mich damit auseinanderzusetzen. Tatsache ist, dass ich einiges weiß, vieles aber auch nicht. Und da bin ich nicht sicher, ob ich das will und vor allem nicht, ob über das, was dabei herauskommt berichten werde wollen. Einerseits will ich nicht Banalitäten niederschreiben und andererseits gibt es vielleicht auch Grenzen, woran ich alle Leser teilhaben lasen will. Also jetzt einmal Facts. Die stimmen zwar, stellen aber dennoch nur die Oberfläche dar.

Ich bin 1975 mit dem Studium fertig geworden und habe mich dann auf Weltreise begeben. Es ist dann zwar nur eine Halb- oder Drittelweltreise geworden, hat von Anfang Juli bis Ende Dezember gedauert und hat von Istanbul bis Singapur geführt. Insgesamt eine wunderbare Erfahrung um unglaublich wenig Geld (nicht einmal 50.000 Schilling, umgerechnet etwas mehr als 3.500 Euro; wenn ich nicht falsch gerechnet habe, entspricht das einer heutigen Kaufkraft von ca. 10.800 Euro). Und um die Leserin und den Leser etwas neidischer zu machen, erlaube ich mir zu berichten, dass wir Gegenden bereist haben, die heute fern jeder Möglichkeit sind: z.B. Syrien, der Irak, der Iran und Afghanistan. Zurück ins Jahr 1975.
Im Februar 1976 trat ich meine erste ärztliche Arbeitsstelle an: das AUKH Meidling – oder für nicht Eingeweihte – das Arbeitsunfallkrankenhaus in Wien-Meidling. Eine ganz tolle Erfahrung. 6 Monate, in denen ich sehr viel gelernt habe, von dem ich mein ganzes Leben profitiert habe. Ich musste dort schon eine erste schwere Entscheidung treffen: man hat mir eine Ausbildungsstelle angeboten, die ich schweren Herzens abgelehnt habe. Und das bei dem Hintergrund, dass viele meiner KollegInnen eine Ausbildungsstelle angestrebt haben und nur zweien von uns aktiv eine solche angeboten wurde. Noch dazu hat man uns zwei zugesichert, wir würden vorgereiht, weil man uns beide ganz besonders geeignet für das Fach Unfallchirurgie hielt. Ich entschied mich für nein. Ich suchte etwas, in dem von vielem etwas war: ein bisschen Chirurgie, ein bisschen Interne Medizin, ein bisschen Psycho. Von vielem etwas, aber Allgemeinmediziner (oder wie man damals immer sagte: Praktischer Arzt). Wollte ich eher nicht.

Eine Erkenntnis aus dieser Zeit war: ich gipste, nähte, versorgte viel lieber Frauen als Männer. Nach Meidling wechselte ich zur Gemeinde Wien. Ich habe mich aktiv um eine Turnusstelle in der Rudolfstiftung beworben. Dort wollte 1976 keine TurnusärztIn hin. Warum war mir damals schleierhaft.
Drei Jahre schnell übersprungen. Dort begann ich am 1.Mai 1979 meine Ausbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Und kaum war ich dort wurde ich von einer ganz lieben Freundin angesprochen: ob ich sie durch ihre Schwangerschaft und Geburt begleiten würde.
Diese Zeit war auch bzw. vor allem von einer unglaublichen Aufbruchsstimmung geprägt. Es war die Zeit der Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruches (wofür ich Jahre davor demonstriert hatte) es war eine Zeit, in der die Geburt eines Kindes als rein mechanistisches Problem gesehen wurde und Stillen als alleinige Ernährungsfrage. Aber es war auch die Zeit, in der sich einige Engagierte aufzulehnen begannen. Der Arbeitskreis Sanfte Geburt machte ein bisschen Lärm, die Namen Odent und Leboyer tauchten regelmäßig in den Medien auf und meine älteren KollegInnen, meine LehrerInnen also, erklärten, mir warum all diese Ideen der pure und vor allem gefährlicher Unfug wären. Und ich war rasch überzeugt.
Ich überlasse es Ihnen zu beurteilen , ob bzw. was sich seither geändert hat. Jedenfalls haben die Frauen zu 100% am Rücken liegend geboren, rund 95% wurden bei der Geburt „geschnitten“ d.h. sie bekamen einen Scheiden-Damm Schnitt. Und nach der Geburt wurde das Neugeboren gewaschen, das bedeutete mit einer drahtigen Bürste abgeschrubbt und danach in einem Steckkissen verschnürt und abtransportiert und alle 6 Stundenden Müttern zum Stillen gebracht.

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