Schwangerschaftsabbruch medikamentös oder chirurgisch – was ist besser?

Eine objektiv richtige Antwort gibt es nicht, bestenfalls eine individuell richtige! Ich werde versuchen, eine Entscheidungshilfe zu geben.

Ehe ich meine Überlegungen und Argumenten darstelle, möchte ich vorausschicken, dass ich, je länger ich Frauen rund um ungeplante Schwangerschaften begleitet habe, desto überzeugter wurde ich, dass der Abbruch mit Tabletten die bessere Alternative ist.

Die Beratung, ob eine Schwangerschaft abgebrochen wird oder nicht, ist selbstverständlich ergebnisoffen. Mir persönlich ist jede Entscheidung recht. Mein Anspruch an mich: die Entscheidung sollte auch in fernerer Zukunft als die in diesem Moment richtige gesehen wird.

 

Die beiden Methoden und ihre Vor- bzw. Nachteile:

Operativer Schwangerschaftsabbruch (Saugcurettage)

-       Möglich bis zum Ende  der 12. Schwangerschaftswoche

-       1. Termin. Untersuchung mittels Ultraschall, um die Dauer der Schwangerschaft  festzulegen oder zu bestätigen, Aufklärung über den Vorgang.

-       2. Termin. Eingriff in Vollnarkose Aufdehnen des Eingangs (Zervikalkanal) in die Gebärmutter, Absaugung und Nachkontrolle mit Ultraschall

-       3. Termin. Nachkontrolle 2-3 Wochen später.

Ergänzungen:

-       Selten wird der Eingriff  auch in lokaler Betäubung angeboten.

-       Manchmal werden zur Vorbereitung Medikamente gegeben.

 

Vorteile:

-       Mit einmaligem Eingriff in Schmerzlosigkeit ist alles vorüber.

-       Der Zeitraum zum legalen Abbruch ist deutlich länger, nämlich bis zur 12. Woche.

 

Nachteile

-       Komplikationen (Infektion, Verletzungen, nochmaliger Eingriff wegen Resten) sind möglich, aber selten

-       Sehr selten Komplikationen durch eine Vollnarkose.

-       Termin für den Eingriff wird in erster Linie nach den Möglichkeiten des Institutes bzw. des Arztes / der Ärztin festgelegt.

-       Es können für einige Stunden Schwerzen auftreten, die aber mit Schmerzmittel normalerweise gut zu behandeln sind.

 

Medikamentöser Abbruch, Abbruch mit Tabletten (Mifegyne, Cyprostol)

-       Möglich bis zum Ende  der 9. Schwangerschaftswoche (= 63. Tag nach Beginn der letzten Monatsblutung)

-       1. Termin. Untersuchung mittels Ultraschall, um die Dauer der Schwangerschaft  festzulegen oder zu bestätigen, Aufklärung über denVorgang:                                    bei Klarheit Einnahme der 1. Tablette(n) möglich.

-       Die zweiten Tabletten werden daheim zwischen 24 und 48 Stunden nach Einnahme der ersten Tablette(n) eingenommen.

-       2.Termin: Nachkontrolle 2-3 Wochen später.

 

Vorteile

-       Nur 2 Termine

-       Vermeidung eines operativen Eingriffes.

-       Autonomie bezüglich der Einnahme der 2.Tabletten: die betroffene Frau bzw. das Paar haben die letzte Entscheidung wann, wo und in Beisein welcher Personen (allein, Partner, Freunde) die Anwendung erfolgt.

-       Nach meiner Erfahrung ist die seelische Verarbeitung leichter, weil alles abläuft, wie es eben abläuft: nichts ist in die Fantasie verschoben.

 

Nachteile:

-       Komplikationen (Infektion, nochmaliger Eingriff wegen Resten) sind selten.

-       Ist nur bis zum Ende der 9. Woche legal möglich.

 

Diese Auflistung macht es hoffentlich nachvollziehbar, warum ich meine, dass die medikamentöse Methode die bessere Alternative ist. Hier noch einmal die meiner Meinung nach bestimmenden Argumente:

1. Nur 2 Termine.

2. Bessere Vereinbarkeit mit den Erfordernissen des Alltags (Arbeit, Familie, etc.)

3. Günstigere Voraussetzungen für die seelische Verarbeitung.

 

In der Hoffnung, dass Sie nie in diese Situation kommen mögen, verbleibe ich mit meinen besten Wünschen, Dr. Michael Adam, michael@adam.co.at

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