Die Goldspirale  (Gold -T ®) – ein Verhütungsmittel ohne Lobby?

Die Goldspirale (Gold -T ®) – ein Verhütungsmittel ohne Lobby?

Stellen Sie sich vor, es gibt ein Verhütungsmittel, das sicher und billig ist und obendrein vor Gebärmutterhalskrebs schützt. Außerdem ist es ein fehlerfreundliches Mittel: die Trägerin kann weder – wie bei der Pille – auf die Einnahme vergessen oder – wie beim Kondom – es falsch anwenden. Die Spirale kann nicht platzen oder reißen und verrechnen ist auch nicht möglich.
Sie meinen, das gibt’s nicht? Doch gibt es. Nach einer Publikation der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGGG benützen in Deutschland nur 6 % der Frauen eine Kupferspirale1). Es wird in Österreich bzw. der Schweiz nicht viel anders sein. Umso verwunderlicher ist es, wie selten es angewendet wird. Und es stellt sich die Frage, warum das so ist.

Gemeinsam mit meinem Freund und Kollegen Volker Korbei haben wir die Ursachen zu fantasieren versucht: am Schluss bleibt nur die Überlegenheit der Pillenhersteller im Marketing2). Daneben sind die Spiralenerzeuger ökonomische Zwerge.
An den ÄrztInnen liegt es wohl nicht. Sie können üblicherweise gut rechnen und sollten daher ein ökonomisches Interesse am Einsetzen von Gold-Spiralen haben. Für die Pille können sie nur ein Rezept schreiben.

Schlussbemerkung: natürlich ist das individuelle Abwägen und Beachten von Gegenanzeigen etc. nötig. Mir geht es nur darum, die niedrige Anwendungsraten von Gold-Spiralen zu problematisieren.

1) wwwuser.gwdg.de/~ukfh/UFK/KontrazeptionI.pdf; tabellarisch sind die in Deutschland angewandten Verhütungsmethoden dargestellt. Kupfer- und Goldspirale sind gemeinsam gelistet, weil sie auf den gleichen Prinzipien beruhen, obwohl es Hinweise gibt, dass das edlere Gold weniger Nebenwirkungen und höherer Sicherheit bedeutet.
2) Der Versuch, den Pillenmarkt dem Spiralenmarkt anhand der Zahlen unter 1) gegenüberzustellen. Die Goldspirale kostet in Österreich je nach Arzt zwischen 250 und 450 Euro. Die Liegedauer liegt laut Herstellern bei 5 Jahren. Mehrere Untersuchungen und auch eigene Erfahrungen legen allerdings nahe, dass die Liegedauer – solange keine Probleme auftreten – unbegrenzt ist. Unserer Beispielsrechnung liegt eine Liegedauer von 10 Jahren zugrunde, das bedeutet also einen Kostenaufwand von € 250 bis 450 für 10 Jahre.

Das am häufigsten benützte Mittel mit gleich hoher Verhütungssicherheit ist die Pille. Rund 38 % der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter nehmen sie ein. Bei einem Preis zwischen 7 und 20 Euro pro Monat bedeutet das in 10 Jahren Kosten zwischen 840 und 2.400 Euro. Lt. Internetrecherche vom 6.6.2013 fallen bei Onlineapotheken für 10 Jahre Anwendung: für Evra („Verhütungspflaster“) 1600 Euro, für den Nuva-Ring („Verhütungsring) 1840 Euro und als Beispiel für eine klassische Pille („Yasmin“) 1480 Euro an.

Nehmen wir jetzt den deutschen Markt her. Lt. DGGG sind 17,2 Millionen Frauen im reproduktionsfähigen Alter. Von denen nehmen 38,5 % eine Pille. Wenn alle diese Frauen eine Goldspirale benützten bedeutete das in einem Zeitraum von 10 Jahren in den ärztlichen Praxen einen Umsatz zwischen 1,6 und 2,9 Milliarden Euro. Da diese Frauen aber Pillen schlucken, lukrieren die Apotheken daraus im selben Zeitraum einen Umsatz zwischen 3,9 und 15,9 Milliarden Euro!

One Response to Die Goldspirale (Gold -T ®) – ein Verhütungsmittel ohne Lobby?

  1. Jan Otto sagt:

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    Guten Tag sehr geehrter Herr Dr. Adam,

    das ist ja mal ein schöner Beitrag mit einer sehr interessanten Kostenrechnung.

    Tja, was die Vermarktung angeht, da mögen Sie sicherlich Recht haben. Die Pharmaindustrie verfügt natürlich über ein exzellentes Marketing und betreibt vor allem eine hoch effektive Lobbyarbeit; Sie kenne die ja besser als ich.

    Wir bringen in Kürze eine Publikation zum Thema Vasektomie heraus, weil wir der Ansicht sind, dass auch die Männer sich einmal aktiv an der Empfängnisverhütung beteiligen sollten; jene eben, deren Familienplanung bereits abgeschlossen ist. Dabei werden auch sämtliche anderen Verhütungsmethoden vorgestellt.

    Obwohl wir – aufgrund des Titels – der Vasektomie die absolute Priorität einräumen, werden die Vor- und Nachteile anderer Verhütungsmethoden objektiv besprochen. Aufgrund Ihrer Rechnung überlegen wir, ob wir diese nicht mit bei uns mit aufnehmen wollen.

    Neben der Kosteneinsparung hätte das für die Frau ja auch den Vorteil, dass bei Nutzung einer Spirale die Leber nicht belastet wird und auch die Nieren aufgrund fehlender Hormongaben ebenfalls entlastet werden.

    Also doch eigentlich nur Vorteile, sowohl finanziell als auch gesundheitlich.

    Danke für diesen Beitrag.

    Mit besten Grüßen
    Jan Otto