Der Weg zu verständlicher Kommunikation oder Europa ist noch weit ….

Der Weg zu verständlicher Kommunikation oder Europa ist noch weit ….

Kennen Sie Castro Urdiales? Nein? Ein sehr empfehlenswertes Städtchen an der kantabrischen Atlantikküste unweit von Bilbao (www.tripadvisor.at/LocationPhotos-g776898-w2-Castro_Urdiales_Cantabria.html). Wir –meine Familie und ich – waren am Karfreitag dort. Die Karwoche – Santa Semana – ist aus vielerlei Gründen in Spanien ein Erlebnis. Und Castro-Urdiales hat diesbezüglich Besonderes zu bieten: die Kreuzigungsgeschichte als stundenlanges Spektakel mit biblischen Szenen inklusive Bauchtanz an jeder 2. Ecke.

Strafmandat, Castro

Wir also am Karfreitag in Castro Urdiales. Ein Parkplatz ist schnell gefunden, es ist erkenntlich, dass es sich um eine Kurzparkzone handelt, es ist ein Feiertag, daher gilt das – meine ich fälschlich – nicht. Nach 3 Stunden in der Menge am Rückweg zum Mietwagen sehe ich ein Schild am Beginn des Kurzparkbereiches und sehe – leider, leider – auch an Sonnt- und Feiertagen ist Kurzparkgebühr zu bezahlen. Erster Gedanke: oh , Mist, zweiter Gedanke, vielleicht war noch kein Parkwächter da. Er war da: sein Gruß steckt hinter dem Scheibenwischer: 50 Euro! Und ganz unten findet sich was mit Farbmarker Gekennzeichnetes:

DENUNCIA ANULABLE HASTA 20/04/2014, 13:18 (12 €) DIRUASE AL EXPENDEDOR MAS CERCANO.

Ah, denke ich mir, ich kann die 50 Euro abwenden und auf 12 reduzieren, vermutlich am nächsten Wachzimmer. Also was tun, wenn man nicht spanisch kann? Google-Übersetzer angeworfen: der meint nach Eingabe des Textes, ich solle einen Insolvenzbericht schreiben. Äh wie bitte? Insolvent bin ich? Spanische Wirtschaftskrise hin oder her: 50 € machen nicht einmal einen Spanier bankrott. Und nachdem niemand dort Englisch kann, der Übersetzungshilfe hätte geben können, beschließen wir, dass 50 Euro eine nicht so große Überschreitung unseres Urlaubsbudgets sind, um uns unsere Laune verderben zu lassen.

Obwohl das ganze nur ein kleines und letztlich unwesentliches Detail in der Europäischen Einigungsgeschichte ist, erzählt es dennoch eine Geschichte, in der das Trennende fühlbar ist. Wir fragten uns, ob Absicht dahinter steht. Sollen nur Inländer billiger davonzukommen? Oder des Spanischen Mächtige die Chance haben? Vielleicht ist es nur mangelnde Sensibilität? Dass diese Vorgangsweise diskriminierend ist, ist wohl unbestritten. Es gibt viel zu tun für Europa….

P.S.: und was bedeutete das Farbmarkierte wirklich? Der nette Bursch, der unser Mietauto am Ende übernahm, erklärte uns den Text: wenn wir zum Parkscheinautomaten gegangen wären, dann hätte das Gerät den Barcode am Strafmandat lesen können und wir hätten dort die 12 Euro berappen dürfen.

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