Bevor geneigte LeserInnen sich darüber mokieren, dass ich mit so einem wichtigen Thema spiele, erlaube ich mir um ein paar Minuten Aufmerksamkeit zu [mehr]
Frau Mag.a Wehsely hat vor über einem Jahr etwas ganz Wichtiges verkündet (Studie zum psychosozialen Einfluss auf Geburtsmethoden;www.wien.gv.at/rk/[mehr]
Der Weg zu verständlicher Kommunikation oder Europa ist noch weit ….
Kennen Sie Castro Urdiales? Nein? Ein sehr empfehlenswertes Städtchen an der kantabrischen Atlantikküste unweit von Bilbao (www.tripadvisor.at/Locat[mehr]
Persönliche Erfahrungen sind oft erhellender als so manches Theoretisieren. Also gleich in medias res. Einige von Euch wissen wahrscheinlich, dass i[mehr]
Es muss so 2005 gewesen sein. Da rief der KAV im Elan eines noch relativ neuen Generaldirektors das Projekt „Transparenz im KAV“ aus. Ich hab mir [mehr]
Ehe ich mich dem eigentlichen Thema widme, möchte ich was ganz Persönliches vorausschicken. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Blogb[mehr]

Vorwort

März 2012. Ansgar Römer, ein deutscher Gynäkologe, der vor vielen, vielen Jahren in der Anfangszeit des Geburtshauses Nussdorf bei uns hospitiert hatte, lädt mich zu einer Tagung nach Mannheim ein. Seit ein paar Jahren organisiert er Tagungen für Hebammen und ÄrztInnen. Titel: Geburtshilfe-im-Dialog. Ob ich nicht meinen persönlichen Rückblick dort präsentieren möchte. Arbeitstitel: 25 Jahre familienorientierte Schwangeren- und Geburtsbetreuung. Was haben wir gelernt?

Meine erste Reaktion. Was soll das? Alles Schnee von gestern. Wen interessiert denn das heute noch? Meine zweite: was soll’s, mach ich einen Ausflug ins dann hoffentlich frühlingshafte Mannheim. War ohnehin noch nie dort.

Feber 2013. Langsam sollte ich mich auf mein Referat vorzubereiten beginnen. Leider bin ich ein Typ, der immer erst in der letzten Sekunde wirklich produktiv wird. Ohne Druck bin ich hirnleer. Und wie ich mich dann hinsetze und Ideen sammle, überwältigen mich meine Assoziationen. Dazu kommen ein paar alte MitstreiterInnen, die ihren Senf dazu geben: rede doch darüber und darüber, und unbedingt musst du ein paar Bilder zeigen und und und ….

März 2013. Was soll ich dort bloß reden? Der Veranstalter will meine Präsentation vorab –also es muss was her. Alles, was ich mir bislang überlegt habe, erscheint mir fad und uninteressant. Und dann entschließe ich mich, einfach alte Bilder herzuzeigen und ich rede einfach das, was mir gerade einfällt. Und es wurde ganz gut – besser jedenfalls als ich es mir ursprünglich gedacht hatte. Die alten Bilder erinnerten mich an den Antrieb, der uns befähigte, dieses Mammutwerk auf die Beine zu stellen und fast zwei Jahrzehnte durchzuhalten. Ich sah Bilder, die doch klarmachten, dass wir was bewegt haben und auch Bilder, die zeigten, wo wir richtig lagen und dennoch kläglich gescheitert sind. Unsere Zeit ist abgelaufen, aber es gibt andere, die was bewegen können und werden.

Und ich erlebte, dass unsere Erfahrungen doch mehr Menschen als gedacht interessierten. Und am Ende kommt ein Gynäkologe und fragt mich, ob ich es nicht für wert hielte, das ausführlicher niederzuschreiben. Und nach einer ersten Ablehnung denke ich mir: ja, es ist es wert! Unser Weg ist exemplarisch. Und wenn es nur den Sinn hat, mich endgültig vom Geburtshaus Nussdorf zu verabschieden – und den Zweck wird es ziemlich sicher erfüllen. Aber es gibt auch noch einen anderen: Menschen, die’s interessiert, zu schildern, wie es ein Umfeld bestehend aus Politik und KollegInnen schwer macht, Änderungen zu bewirken. Änderungen, von denen auch noch mehr als ein Jahrzehnt später überzeugt bin, dass sie Bedeutung für die Volksgesundheit und Psychohygiene einer ganzen Gesellschaft haben.

So sitze ich jetzt da und habe beinah den Eindruck, dass es ein Anachronismus ist, einer Schwangerenbetreuung und Geburtshilfe das Wort zu reden, die sich auf individuelle Bedürfnisse der betroffenen Frauen und Familien konzentriert und nicht hauptsächlich von Risikomanagement und noch ein paar hochtechnischen Untersuchungen mehr spricht. Nicht dass das unwichtig oder bedeutungslos wäre. Aber gebären ist doch zuallererst ein menschliches und biologisches Ereignis und erst in zweiter Linie ein mechanistisch-technischer Prozess.

Ich beginne meine Niederschrift kaum geordnet. Ein paar Überlegungen gibt es ein und wenn ich nachzudenken beginne, fällt mir dieses und jenes ein … und auch das und das sollte seinen Platz haben und – beinahe hätte ich es vergessen – auch das. Was ich sagen will: ich fange einfach an!

Nachfolgend finden Sie, hoffentlich geneigte Leserin, geneigter Leser ein paar Überschriften. Ich denke Sie sind ein erstes Gerüst, das so nach und nach ein Häuschen, vielleicht ein Haus werden wird. Ich werde abschweifen, wenn mir danach ist (erst vor kurzem habe ich mit meinem Freund Volker gesprochen; er befindet sich auf einer Mission, der der Goldspirale zu mehr Popularität verhelfen will, weil sie Gebärmutterhalskrebs dramatisch reduziert und wenige Menschen das wissen! Und auch solches Wissen soll verbreitet werden, aber das wird der Pillen-Lobby wenig gefallen).

Und noch was zur Einleitung. Ich habe mir fest, ganz fest vorgenommen, mich nicht von Verbitterung leiten zu lassen. Ich habe mir fest, ganz fest vorgenommen, niemanden persönlich anzupatzen. Ich weiß, das wird schwer werden, weil es z.B. einige mittlerweile sehr prominente Menschen gibt, die an entscheidenden Stellen ja Machthebel sitzen, im Geburtshaus nach deren eigenen Aussagen genau das gefunden haben, was für sie richtig war, und dennoch ihre heutigen Möglichkeiten nicht für Verbesserung und Fortschritt nützen, sondern bewusst Teil eines verkrusteten, innovationsfeindlichen Systems bleiben.

Also keine Verbitterung, sondern Sachlichkeit ist mein Vorhaben. Aber was ich schon erhoffe: heutige Pioniere sollen aus unseren Erfahrungen Nutzen ziehen können, um Veränderungen zum Besseren zu bewirken. Mit Namen genannt werden nur Menschen, die uns gefördert und/oder unterstützt haben. Menschen, die uns behindert, unterdrückt, diffamiert oder sonstwie geschadet haben oder es zumindest versucht haben, werden so beschrieben werden, dass man sie – hoffentlich – nicht erkennen kann.

Und so sieht mein heutiger wahrscheinlich unvollständiger Kapitelplan aus:

  • Wie alles begann
  • die Umsetzung: die Reaktionen von Kollegen der Politik, den Frauen
    • die ideale Schwangeren- Geburts- und Wochenbettbetreuung: Räume, Programm
  • Gräuelpropaganda
  • Unsere Mitbewerber lernen
  • Die Krankenkassen
  • PolitikerInnen und Ihre Reaktion
  • Irgendwann geht uns die Luft aus
  • Ein neuer Versuch in einem öffentlichen Krankenhaus